Jahr "2018"

19 Feb 2018

Kleines Nählexikon – A für Auftrennen

Hallo meine Lieben,

ich habe mir gedacht ich starte mal eine kleine Blogbeitragsreihe rund um klassische Nähthemen. Was bietet sich da besser an als ein kleines Nählexikon?

Und was kommt am Anfang? Richtig, A für Auftrennen.

Oh ja, gleich ein kleiner Nähalptraum! Wer kennt es? Man sitzt schon länger vor der Maschine und möchte unbedingt das aktuelle Projekt noch fertig machen. Vielleicht ist es schon recht spät oder aber die Kinder (der Ehemann/Partner?!) quängeln schon, weil ihr euch endlich um sie kümmern sollt. Man denkt sich: „nur noch schnell das Bündchen annähen“…..und da ist es schon passiert. Ihr habt es falsch angenäht.

Das kann und will man natürlich nicht so lassen. Also kommt das kleine Werkzeug zum Zug, das selbst bei der günstigsten Maschine bereits mitgeliefert wird – der Auftrenner!

Für mich ist es wirklich eine der unliebsamsten Arbeiten beim Nähen, weil es ja genau genommen das genaue Gegenteil vom Nähen ist.

Je nach gewähltem Stich, kann es zudem noch eine sehr langwierige Geschichte werden.

Habt ihr schon mal einen sehr kleinen Zickzack-Stich trennen wollen? Oder gar einen aufwändigen Zierstich? Nee, das ist wirklich kein angenehmer Zeitvertreib!

Es gibt allerdings auch Nähte, die sich ganz schnell wieder trennen lassen und das, obwohl sie zunächst nicht den Anschein erwecken. So zum Beispiel die Naht einer Overlockmaschine!

Und damit dieser Post nicht nur Blabla ist, möchte ich euch an dieser Stelle gerne noch erklären, wie man eine Overlocknaht ganz einfach und ohne schrecklich viel Aufwand wieder auftrennt:

Wie trenne ich eine Overlocknaht?

Eine Overlocknaht sieht in der Regel so aus. Das ist also euer Ausgangspunkt!

Damit ihr die jetzt ganz einfach wieder auf bekommt, nehmt ihr euch euren Auftrenner zur Hand und durchtrennt als erstes den Greiferfaden an der Kante. Achtet dabei darauf, dass ihr nicht die Schlaufen verletzt, die auf dem ersten Bild oben liegen!

Habt ihr das geschafft, könnt ihr eine der Schlaufen durchtrennen und an diesem Faden ziehen. Es sollten sich nun nach und nach alle Schlaufen lösen.

Zurück bleiben die beiden Nadelfäden und die Überreste des einen Greiferfadens:

Ihr trennt die letzten beiden Nähte an einer Stelle (möglichst nah am Rand) und dann könnt ihr auch diese Fäden einfach heraus ziehen:

Jetzt müsst ihr nur noch die lockeren Überreste des Greiferfadens entfernen und schon ist die Overlocknaht verschwunden!

Das war doch gar nicht so schlimm, oder?

Ich hoffe meine Ausführungen waren einigermaßen verständlich und sind für den ein oder anderen zumindest ein klein wenig hilfreich 🙂

Für eure zukünftigen Projekte wünsche ich euch aber, dass der Auftrenner in der Schublade bleibt!

 

Beim nächsten Mal beschäftigen wir uns im Nählexikon mit B – für Bündchen 🙂

14 Jan 2018

Der ganz normale Probenähwahnsinn

Hallo meine Lieben,

heute gibt es mal etwas mehr Blabla, weil es da so ein Thema gibt, das mich einfach immer wieder beschäftigt: das Probenähen.

Der ein oder andere von euch hat sich bestimmt schon einmal für ein Probenähen bei einem Schnittersteller beworben.
Vielleicht hattet ihr dann das Glück ausgewählt worden zu sein. Oder es hat eben doch nicht geklappt.

Für alle, die nicht so recht wissen, wie so ein Probenähen abläuft, werde ich das mal grob umreißen.

Häufig hat der Schnittersteller – vor allem wenn er schon zu den Erfahrenen gehört – die erste Schnittversion schon einmal im kleinen Kreis (dem eigenen Stammteam) vor getestet. Da zeigt sich dann meist schon eine grobe Richtung und ob der Schnitt überhaupt so umgesetzt werden kann, wie man es sich vorgestellt hat.
Als nächstes erfolgt dann in der Regel schon der Probenähaufruf, bei dem vorab mal einige Eckdaten festgehalten sind und der Ersteller auch seine Bedingungen an die Probenäher weiter gibt. Als Beispiel: Zeitangabe (ganz wichtig!), Größen, Materialien etc.Im besten Fall bewerben sich dann auch wirklich nur diejenigen, die A zu dem festgelegten Zeitpunkt auch wirklich in der Lage sind zu nähen und B passendes Material zuhause haben.

Ha, schön wäre es! Aber dazu später mehr.

Nun geht es also los mit den Bewerbungen. Schon hier zeigt sich, wer in der Lage ist einen einzigen Beitrag bis zu Ende zu lesen. Da wird sich dann zum Teil ohne Foto und Größenangabe beworben und der Schnittersteller soll dann in der Lage sein, sich eine Meinung zu bilden. Witzig.

Ich gebe zu, es gibt trotzdem natürlich genug, die das alles perfekt machen!

Für den nächsten Schritt möchte ich nicht in der Haut eines Erstellers stecken, denn er oder sie muss nun die Probenäher auswählen.Bestenfalls werden dann sowohl Anfänger, als auch Fortgeschrittene ausgewählt. Schließlich möchte man ja auch feststellen, für wen das neue Ebook geeignet ist und ob die Arbeitsschritte verständlich und nachvollziehbar sind.Natürlich spielen aber auch andere Kriterien eine Rolle! Wie sehen die Fotos aus? Haben einige Probenäher eine eigene Facebookseite oder einen Blog (wichtig für Werbung!)? Haben sich für die Größe schon viele andere Näher beworben?
Um nur mal einige zu nennen.

Nach der Auswahl kann das Probenähen dann so langsam losgehen. Man wird in der Regel in eine Facebookgruppe eingeladen und kann dort alle wichtigen Infos (meist im fixierten Beitrag) und auch die aktuellste Schnittversion finden.

So weit, so gut. Jetzt können sich ja alle ans Nähen machen und damit die erste Probenährunde einleiten. Weit gefehlt!

Wir kommen nun jetzt zur eigentlichen Thematik bzw. eben dem, warum ich diesen Sermon hier verfasse.

Es gibt nämlich zig Arten von Probenähern:

Die Streber
Sie nähen gefühlt 20 Teile nach dem ersten Schnitt, verballern dabei schon die schönsten Stoffe und haben dann keinen mehr, wenn es an den finalen Schnitt geht.

Die Planlosen
Nach gut einer Woche fragen sie, wo sie denn den Schnitt finden. Wissen weder irgendwelche Deadlines, noch welches Material sie brauchen. Gerne hört man von ihnen auch den Satz „Ich bestelle dann mal Stoff.“. Oder der Klassiker: „Ich fahre jetzt erst mal eine Woche in den Urlaub. Ich hoffe, ich schaffe am Ende noch was zu nähen.“.

Die Kranken / Kind krank Fraktion
Wir kennen es alle. Kinder werden krank. Aber wie viele Kinder dann plötzlich während eines Probenähens an Magen-Darm erkranken oder gar im Krankenhaus landen, ist mir wirklich ein Mysterium. Versteht mich nicht falsch! Die Gesundheit geht natürlich vor! Trotzdem darf man sich natürlich auch fragen, ob es nicht hier und da nur ein Vorwand ist.

Die Ich-warte-auf-den-finalen-Schnitt Fraktion
Eine meiner Lieblinge! Sie halten sich vorher schön bedeckt. Tragen 0,0 zur Passform bei. Nähen am Ende ein Teil und schreiben kurz vor Veröffentlichung, was denn alles am Schnitt nicht passe.

Die, die alles besser können
Ja diese Gruppe hält sich für die Krone der Nähschöpfung. Schließlich war Oma Maßschneiderin oder vielleicht auch nur der Hund der Cousine dritten Grades. Aber wer wird da schon so pingelig sein?!
Sie sind es, die meinen, eigenmächtig Veränderungen am Schnitt vornehmen zu müssen. Schließlich wissen sie Bescheid, haben vielleicht sogar Modedesign studiert oder leiden einfach unter Größenwahn. Hier fragt sich der stille Beobachter, warum zum Teufel diese Person nicht einfach selbst Schnitte entwirft? Tja, schon blöd wenn man keine eigenen Ideen hat!

Die ich-greife-nur-den-Schnitt-ab Fraktion
Hier hoffe ich, dass es Karma am Ende einfach richten wird. Denn traurig aber wahr, von dieser Gruppe gibt es in nahezu jedem Probenähen leider genug. Von denen hörst und siehst du nix und am Ende kommen irgendwelche Ausflüchte.

Bestimmt gibt es noch viele andere, ABER zum Glück gibt es auch die Art von Probenähern, die tatsächlich auch das tun, was sie sollen!
Sie nähen jede Schnittversion mit, korrigieren Fehler, tragen zur Passform ordentlich was bei, liefern ihre finalen Fotos bis zur genannten Deadline ab und und und

Und von denen hat man, je nach Probenähen, erfreulicherweise auch so viele, dass man die anderen auch mal vernachlässigen kann.

An dieser Stelle beende ich nun diesen Exkurs in die Probenähwelt und hoffe, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt. Denn natürlich schreibe ich diese Zeilen auch mit einem zwinkernden Auge.

Trotzdem würde ich mir natürlich wünschen, dass der ein oder andere vielleicht etwas von meinem Geschriebenen mitnimmt und auch mal sieht, womit sich so mancher Schnittersteller herum schlagen muss/darf bis so ein Ebook dann mal reif für die Massen ist.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich einfach nur Nähen kann. Sei es zur Probe oder nur just for fun 😉

Stephi, 33, Oberpfälzerin, Konsumjunkie, stolze Mami zweier kleiner Töchter, Ex-Lehrämtlerin, technikverliebt, dickköpfig, Teeliebhaberin, kritisch, Tierfreundin, Genussmensch und Bücherwurm.

´